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Jeden Monat gibt es für Euch einen Artikel umsonst zum Lesen. Diesen Monat bieten wir Euch aus der Zeitschrift Novum den Artikel "Überklebt". Viel Spaß beim Lesen!

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Überklebt!

Plakate der DDR« – dies ist im doppelten Sinne ein historisches Thema. Denn ähnlich wie vielleicht für Briefmarken handelt es sich hier um ein abgeschlossenes Gebiet – »mehr nicht erschienen«. [...]


Novum
Ausgabe: 01/08

 
 

Überklebt!

Plakate der DDR« – dies ist im doppelten Sinne ein historisches Thema. Denn ähnlich wie vielleicht für Briefmarken handelt es sich hier um ein abgeschlossenes Gebiet – »mehr nicht erschienen«. Zum anderen handelt es sich bei der Ausstellung, zu der dieses Katalogbuch herausgegeben wurde, um eine Zusammenstellung, die ursprünglich zum vierzigsten Jahrestag der DDR 1989, vor der Wende, gezeigt wurde, dann – 1990 – noch einmal, modifiziert und verkleinert in Hannover. So zeigt auch die Auswahl einen bereits dahingegangenen Status quo, aus heutiger Perspektive würden mit Sicherheit andere Akzente gesetzt.

Der Titel »überklebt« gilt für das gesamte internationale Plakatschaffen. Der »Skandal« (Savignac) auf der Straße hat nur begrenzte Lebensdauer, ähnlich wie die Tageszeitung steht schon die nächste Sensation bereit. Deshalb die »plakative« Gestaltung, die Reduktion und die Übersteigerung zugleich. Die hohe künstlerische Qualität der Anfangsjahre hat früh dafür gesorgt, daß herausragende Blätter diesem schnellen Vergessen entrissen wurden, die weltweite Plakatkunst ist vielfach und gut dokumentiert.

Das plakative Schaffen der DDR war dem Westen allerdings nie so leicht zugänglich wie etwa die Arbeiten aus Polen oder der Tschechoslowakei. Häufig begegneten einem Bilder und Gestalter nur über den Umweg der Plakatbiennalen in Warschau, Brno oder dem finnischen Lahti. Wobei die Blätter und ihre Aussagen gerne polarisierten, und die Qualität häufig weit kritischer hinterfragt wurde als bei solchen aus anderen Ländern des Ostblocks. Damit bestand und besteht die Gefahr, daß jetzt, nachdem sozusagen der ganze Staat »überklebt« wurde, dieses durchaus eigenständige Design ganz in Vergessenheit gerät. Entsprechend kritisch merkt denn auch Kuratorin Sylke Wunderlich in ihrem Vorwort kritisch an: »Die Plakate der DDR wurden überklebt. Mit dem ›Aus‹ für die DDR fragte kaum jemand nach ihnen.« Und sie spart nicht aus, daß sich mit der neuen Konkurrenz aus dem Westen zum einen und dem Verschwinden staatlicher und kultureller Auftraggeber in die internationale Entwicklung erlaubt. Deutlich ist in den ersten Jahren nach dem Krieg die Orientierung an den Plakatgrößen der zwanziger Jahre, die teilweise selbst noch aktiv gewesen sind. Auffällig ist zudem, wie sehr das Vorbild der Schweizer Typografie doch hinter dem Eisernen Vorhang wirksam gewesen ist. Hier gab es tatsächlich eine Internationale des typografischen Schaffens, das selbstverständlich auch bei Buchumschlägen, Zeitschriftendesign und Packungsgestaltung festzustellen ist. Vor allem dann, wenn die Objekte für eine gewisse Modernität und Zukunftsausrichtung standen. Überhaupt ist die Schrift ein wesentliches Merkmal der DDR-Plakate. Sei es durch die Konzentration auf typografische Mittel, sei es durch die besondere Aufmerksamkeit, die der Schriftverwendung auch bei grafischen oder fotografischen Blättern geschenkt wurde. Während hier vielfach die Verwandtschaft zu grafischen Stilmitteln der »sozialistischen Bruderstaaten« erkennbar ist, zeigt die Typografie Eigenständigkeit – und ein Bewußtsein für die Striktheit von »neuer typografie«, Bauhaus und Basler Schule. Doch kommt dazu die Tradition von Leipzig, die selbst noch in den achtziger Jahren aufscheint. Zugegeben, viele dieser im Katalog präsentierten DDR-Plakate wurden nicht nur »überklebt«, sie haben sich auch überlebt. Doch das ist stets das Schicksal dieser großformatigen Zeitzeichen. Um so faszinierender, was sich als nach wie vor anregend und beständig über den Tag hinaus erwiesen hat.

Der Ausstellungskatalog »Überklebt – Plakate der DDR« (200 Seiten, DIN A 4, mit zahlreichen farbigen Abbildungen) kann zum Preis von 29,– Euro (inklusive Versand) über das Schleswig-Holstein-Haus, Puschkinstraße 12, D-19055 Schwerin, bezogen werden.

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